Einmal ganz bei sich sein

Vermutlich ist Hypnose so alt wie die Menschheit selbst. Immer schon wollten Menschen andere Bewusstseinszustände erreichen, immer schon war das intuitive Wissen da, dass es noch etwas anderes geben müsse als unseren ewig plappernden Verstand. Medizinmänner und Schamanen brachten sich selbst oder denjenigen der Hilfe bei ihnen suchte in Trance, um der Ursache für seine Beschwerden auf den Grund zu gehen. Im alten Ägypten kannte man den Tempelschlaf zur Linderung von Beschwerden. Hypnose als Coaching-Technik kann man am besten definieren als eine willentlich herbeigeführte, planmäßige Änderung des Bewusstseinszustands mit dem Ziel auf einer anderen als der kognitiven Ebene eine Erfahrung zu machen. So weit, so gut.

Was passiert nun so genau in Hypnose?

Im Zustand der Hypnose ist der kognitive Verstand etwas leiser gedreht, gleichzeitig bleibst du zu jeder Zeit ansprechbar, wach und im Vollbesitz deiner geistigen Kräfte. Im gleichen Atemzug wird das, was wir Unterbewusstsein, tiefes inneres Selbst oder Seele nennen, präsenter und deutlicher. In unserer Kindheit sind wir damit noch in gutem Kontakt. Im Laufe des Lebens verliert sich dieser intuitive Kontakt allmählich, weil in Erziehung und Ausbildung der Fokus auf der Schulung unseres Verstandes liegt. Nur noch manchmal meldet es sich als Bauchgefühl, bei einigen mehr, bei anderen weniger. Du kennst es, dass diese ungefilterte Wahrnehmung im Nachhinein die Richtige war. Mit bildgebenden Verfahren, wie einem EEG, kann man heute nachweisen, dass in einer hypnotischen Trance andere Gehirnareale aktiviert und damit andere Gehirnfrequenzen aufgefangen werden können als im Wachzustand. Du hast sozusagen einen anderen Sender eingestellt.

Wie kommt der Klient in eine Hypnose?

Das Wichtigste vorab: niemals ohne ausführliches Vorgespräch, in dem auch geklärt wird, ob eventuell Kontraindikationen beim Klienten vorliegen! Wenn diese Zweifel ausgeräumt sind, wählt der Hypnosecoach je nach Anliegen des Klienten die passenden, einleitenden Worte aus, die das Unterbewusstsein wecken und gleichzeitig das kognitive Denken beschäftigt halten. Das nennt man Induktion, sodass der Klient tunnelartig fokussiert ist auf sein inneres Geschehen. Das anschließende Hypnosecoaching verläuft ähnlich interaktiv wie ein „normales“ Gespräch. Der Coach stellt Fragen und erkennt in den Antworten, ob es ein Signal deines tiefen inneren Selbst ist oder von deinem Verstand gesteuert. Er hilft dir, auf der Spur zu bleiben im Wissen, dass dein Unterbewusstsein die Ursache des Problems kennt und selbst den Weg zur Lösung findet.

Faszination und Ablehnung

Immer wieder erlebe ich in Gesprächen über Hypnose, dass Menschen gleichermaßen fasziniert wie ablehnend auf das Wort Hypnose reagieren. Was passiert da? In meinen Augen hat es damit zu tun, dass wir es uns einesteils sehr wünschen, einmal die Kontrolle abgeben zu dürfen, einmal nicht mehr denken zu müssen (wir denken ohnehin immer wieder das gleiche), dass wir den tiefen Wunsch haben, einmal ganz bei uns zu sein, so wie kurz vor dem Einschlafen, wenn wir alles loslassen. Wir ahnen, dass auf dieser Ebene die Kraftquelle für die Lösung unserer Themen liegen könnte, und haben vielleicht den Gedanken Albert Einsteins im Hinterkopf, dass wir unsere Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen können, durch die sie entstanden sind. Und andererseits haben wir genau vor diesem Kontrollverlust Bedenken. Wer spricht denn da, wenn nicht mein Verstand?

Drei Bedenken und ihre Auflösung

Diese drei Bedenken sind es, die ich immer wieder höre:

1. Was passiert, wenn ich in der Hypnose etwas Schlimmes entdecke?

Du kannst dir 100% sicher sein, dass dein Unterbewusstsein, Dich – Mensch – vor Traumen schützen wird, die du (noch) nicht verarbeiten kannst. Es wird dir einfach den Zugang nicht geben, und der Hypnosecoach wird dich sanft wieder aus der Trance herausführen. Es kommt im Übrigen relativ selten vor, dass wir abgrundtief schreckliche Dinge in uns entdecken. Das ist wieder einmal eine unserer Vorstellungen.

2. Was ist, wenn ich aus einer Hypnose nicht mehr „aufwache“?

Eine meine Ausbilderinnen sagte einmal: es ist noch nie jemand in einer Hypnose geblieben! Du darfst darauf vertrauen, dass dein Hypnosecoach die Techniken sehr genau kennt, mit denen er dich wieder ins Hier und Jetzt zurückbegleitet, und das insbesondere in einer Sitzung per Videotelefonie. In meiner Ausbildung war die Ausleitung einer Hypnose das allererste, was wir gelernt haben. Auch per Videotelefonie gibt es hervorragende Techniken, die dich zurückholen, selbst wenn die Verbindung unterbrochen sein sollte.

3. Wie schütze ich mich davor, als willenloses Etwas vorgeführt zu werden?

Diese Bedenken stammen wahrscheinlich aus der Vorstellung von Show-Hypnose. Natürlich gibt es das, und es funktioniert bei extrem suggestiblen Personen, die ein guter Show-Hypnotiseur natürlich schnell entdeckt. Der Zweck von Show-Hypnose erschließt sich mir nicht. Ich frage dich: Was ist dein Anliegen? Warum liest du diesen Text? Du hast meine Website vermutlich angeschaut und gelesen, dass es mein Anliegen ist, dich in einer Lebenskrise zu unterstützen und dir meine eigenen Erfahrungen weiter zu reichen. Denkst du, das mache ich, indem ich dich vorführe? Sicher nicht, es wäre auch überhaupt nicht nachhaltig und ethisch ohnehin mehr als fragwürdig. Für ein Coaching in Hypnose wählt man jemanden, den man für vertrauenswürdig hält, und du (besser: dein tiefes inneres Selbst ) entscheidest, wem du dein Vertrauen schenken möchtest.

 

Zu guter Letzt noch eine Bemerkung zur Wirksamkeit: Manchmal wirkt das was du in Hypnose durchdrungen hast sofort, manchmal nach 72 Stunden und zuweilen auch erst nach 4 Wochen. So lange kann es dauern, bis sich unser Gehirn neu verdrahtet, bis sich neue Synapsen gebildet haben und dein Thema sich womöglich plötzlich in einem anderen Licht darstellt. In diesem Sinne wünsche ich Dir neue, hilfreiche Erkenntnisse.